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Wonach suchen Archäologen?
Archäologen untersuchen die Spuren, die unsere Vorfahren – zumeist unbeabsichtigt – im Boden hinterlassen haben. Sie versuchen, anhand von Funden und archäologischen Strukturen im Boden die frühe Geschichte sowie Lebensbereiche, die auch in Zeiten mit schriftlicher Überlieferung nicht beschrieben wurden, zu rekonstruieren. Durch die wissenschaftliche Auswertung der Grabung werden Erkenntnisse gewonnen, welche erlauben eine Epoche zu charakterisieren und zu definieren. Erst durch den Vergleich mit anderen Funden und Fundstellen kann man zu allgemein gültigen Aussagen gelangen. So ist es möglich, die Lebensweise, die Art des Zusammenlebens, die handwerklichen Fähigkeiten, die Ernährungsgewohnheiten, die Bedeutung von Religion und den Umgang mit Krankheit und Tod unserer Vorfahren kennen zu lernen.
Welcher Fund aus Basels Boden ist am wertvollsten?
Die Archäologische Bodenforschung betreibt nicht Schatzsuche, sondern untersucht die Hinterlassenschaft aus allen Lebensbereichen unserer Vorfahren. Der materielle, antiquarische Wert von Fundobjekten tritt vor dem ideellen Wert der wissenschaftlichen Erkenntnis in den Hintergrund.
Was geschieht mit den Funden, wenn die Grabung beendet ist, und wo kann man sich diese ansehen?
Noch vor Abschluss auf der Ausgrabung sortiert man die Funde nach Schicht und Fläche. Dann werden sie beschriftet und verpackt. In der Fundabteilung werden sie in Materialgruppen aufgeteilt, da jedes Material anders behandelt werden muss. Die Fundobjekte werden gereinigt, konserviert, inventarisiert und danach in einem Depot aufbewahrt. Die wissenschaftliche Auswertung der Grabung und der Fundobjekte wird durch eine Publikation der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei kann selbstverständlich nicht auf jeden einzelnen Fund eingegangen werden. In der im Jahr 2011 eröffneten Dauerausstellung im Historischen Museum Basel geben Funde, Siedlungsmodelle und Lebensbilder einen lebendigen Einblick in die Entwicklung Basels von der Keltenstadt bis zum Bischofssitz..

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Wer bezahlt ihre Arbeit?
Aufgrund der Gesetzgebung gilt die Archäologische Bodenforschung als eine öffentliche Einrichtung. Somit ist die Betreuung des archäologischen Erbes eine Aufgabe des Kantons, weshalb dieser auch die Kosten übernimmt. In einzelnen Fällen werden Grabungen, welche durch den Bau von Nationalstrassen oder Schienenwegen bedingt sind, vom Bund finanziert. Das ordentliche Budget der Archäologischen Bodenforschung macht ca. 3 % der jährlichen Ausgaben für Kultur im Kanton Basel-Stadt aus.

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Darf ich Funde aus meinem Privatgrundstück behalten?
Archäologische Funde aus dem Kantonsgebiet gehören dem Kanton Basel-Stadt, der sich im Interesse der Öffentlichkeit für die Bewahrung des kulturellen Erbes einsetzt. Es ist wichtig, solche Funde der Archäologischen Bodenforschung unverzüglich zu melden, da am Fundort noch weitere archäologische Zeugnisse zum Vorschein kommen könnten, welche für die Rekonstruktion der Geschichte von Bedeutung sind. Jeder nicht gemeldete archäologische Fund ist ein Stück für immer verlorene Geschichte. Zu Recht gehören daher in der Schweiz archäologische Funde der Allgemeinheit.
Wann wird die Archäologische Bodenforschung aktiv und beginnt zu graben, und woran erkennen die Archäologen, dass man an einer bestimmten Stelle etwas finden könnte?
Die Archäologische Bodenforschung arbeitet nach dem Prinzip der Rettungsgrabung. Das bedeutet, dass nur dort Untersuchungen durchgeführt werden, wo im Umfeld einer archäologischen Fundstelle durch Baumaßnahmen der Boden in seinem gewachsenen Bestand verändert werden soll.
Archäologische Fundstellen können auf unterschiedliche Weise erkannt werden: dank gemeldeten Zufallsfunden, durch das systematische Begehen von Fluren, durch das Begleiten von Bauprojekten und nicht zuletzt auch durch die Auswertung von Flugbildern. Die Ausgrabungen werden nötig wegen Tiefbauprojekten; Forschungsgrabungen aus wissenschaftlicher Neugier sind die absolute Ausnahme. Seit 1962 werden archäologische Fundstellen auf einem Plan kartiert und in einer Datenbank erfasst, so dass man anhand dieses Fundstellenplans archäologisch wertvolle Gebiete ausmachen kann.

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Mit welchen Werkzeugen arbeiten Archäologen?
Bei archäologischen Ausgrabungen kommen verschiedene Werkzeuge zum Einsatz. Für die gröberen Arbeiten sind das: Kleinbagger, Förderbänder, Elektrohämmer. Für die Präzisionsarbeiten, beispielsweise das Freilegen eines Skeletts mit Grabbeigaben, benutzt man Feinwerkzeuge wie Pinsel oder Stukkateureisen. Weitaus häufiger jedoch werden die Kulturschichten mit Hacke, Handpickel und Schaufel abgetragen, um dann die Funde mit einer Spitzkelle freizulegen. Vor der Dokumentation werden liegengebliebene Erdkrümel vorsichtig mit dem Industriestaubsauger entfernt.

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Seit wann wird in Basel aktiv Archäologie betrieben?
Mit der Renaissance und der Wiederentdeckung der alten Schriftsteller erwachte in ganz Europa auch das Interesse an der antiken und insbesondere an der lokalen Geschichte. In Basel waren es Humanisten wie Andreas Ryff und Basilius Amerbach oder Christian Wurstisen (Verfasser der ersten Stadtchronik), welche nach den Wurzeln der ältesten fassbaren Spuren menschlicher Besiedlung in unserer Region zu suchen begannen. In der Folge wurde Basel als römerzeitliches Siedlungsgebiet betrachtet, und es entstanden einzelne Sammlungen von Altertümern
Die im Jahr 1661 vom Basler Rat angekaufte «Amerbach’sche Sammlung» bildete den Grundstein für das erste öffentliche Basler Museum, aus dem am Ende des 19. Jh. das Historische Museum Basel erwuchs. Dieses ist noch heute für die archäologischen Funde des Kantons Basel verantwortlich.
Die vor 150 Jahren an den Schweizer Seen gemachten Funde der sogenannten Pfahlbaukultur lieferten nachhaltige Impulse und förderten das bestehende Interesse an archäologischen Zusammenhängen hierzulande. Die Vereinigung «Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel» nahm sich dieser neuen Disziplin an. Auf Betreiben der Gesellschaft wurde die Einrichtung der Archäologischen Bodenforschung durch die Regierung des Kantons beschlossen.

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Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel
Was sind archäologische Funde, und warum sind sie überhaupt wichtig?
Archäologische Funde sind Hinterlassenschaften aus dem Leben unserer Vorfahren, die sich im Boden erhalten haben. Dazu gehört alles, was uns Aufschluss über das Leben in früheren Zeiten gibt: Münzen, Knochen, Gefässe aus Ton, Glas oder Metall, Gruben, Reste von Mauern, Gebäuden, Strassen und Gräbern usw.
Zu den elementaren Fragen des Menschen gehört jene nach seiner Herkunft. Die Archäologie leistet zu deren Beantwortung einen großen Beitrag. Ganz besonders bei der Erforschung von Epochen ohne schriftliche Überlieferung ist man auf die im Boden und in alten Bauwerken überlieferten Zeugnisse unserer Vorfahren angewiesen.
Wie alt ist der älteste Fund, den man bisher im Basler Boden gefunden hat?
Die ältesten Funde aus dem Boden Basels stammen aus der Altsteinzeit. Dazu gehört der sogenannte Chopper von Riehen (ein archaisches Werkzeug aus Stein) und der Faustkeil von Bettingen. Der Faustkeil ist 80 000 bis 120 000 Jahre alt, der Chopper ist möglicherweise noch älter.

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Werden bei einer archäologischen Ausgrabung alle einzelnen Strukturen dokumentiert?
Bei einer archäologischen Untersuchung werden Kulturschichten und Befunde abgetragen und damit unwiederbringlich zerstört. Aus diesem Grund ist es wichtig, jede einzelne Struktur zu dokumentieren, damit die im Boden konservierten Informationen der vergangenen Epochen auch für die Nachwelt erhalten bleiben. Dafür werden sie fotografiert, eingemessen, massstäblich gezeichnet und detailliert beschrieben. Um die Grabungsdokumentationen neuen Standards anzupassen, werden laufend neue Methoden erprobt und angewendet.
Wie kann man Scherben datieren, bzw. wie kann man erkennen. in welche Zeit sie gehören?
Je weiter die Epoche zurückliegt, aus der die zu bestimmenden Funde stammen, desto schwieriger gestaltet sich die Datierung. Meist liefern bei einer Grabung die Lage der Funde, der Fundkontext, der Befund oder die gesamte Fundeinheit erste Anhaltspunkte für eine chronologische Einordnung. Durch die bisherigen Kenntnisse, und auch durch den Vergleich mit ähnlichen Funden von anderen Fundstellen, lässt sich die Datierung verfeinern. Eine weitere Hilfe bieten sogenannte Leitfunde oder Leitfossilien, die für gewisse Zeiträume (lokal und/oder regional) geradezu typisch sind und in grösserer Zahl beobachtet wurden. Ein Vergleich beispielsweise verschiedener Keramikfunde, kann anhand der unterschiedlichen Formen der Gefässe Trends aufzeigen, wie sie sich durch den zeitweiligen Geschmack oder Einflüsse von aussen veränderten. Damit können Typenreihen gewisser Gefässe erstellt und auch standardisiert werden. Bei besonders guten Erhaltungsbedingungen wendet man auch naturwissenschaftliche Methoden, wie die Dendrochronologie oder die C14-Analyse an.

Dendrochronologie >
C14-Messung >
Welche Voraussetzungen benötigt man, um Archäologe/Archäologin zu werden?
Um Archäologe zu werden, muss man die Matura machen und danach ein Studium absolvieren. Als Studium kommen z.B. die Fächer Ur- und Frühgeschichte, klassische Archäologie, Mittelalterarchäologie, Geschichte oder Kunstgeschichte in Frage. In Basel ist auch ein Studium der Ur- und Frühgeschichte mit Schwerpunkt in den naturwissenschaftlichen Gebieten Archäobotanik, -zoologie oder -geologie möglich. Bereits während des Studiums ist das Sammeln von praktischer Erfahrung wichtig.

Universität Basel >
Welche nicht akademischen Berufsgruppen sind bei der Archäologischen Bodenforschung vertreten?
Bei einer archäologischen Ausgrabung braucht es auch Grabungstechniker, Zeichner, Fotografen oder Leute aus Berufen bautechnischer Richtung. Aber auch das Können und Wissen von Archivaren, Bibliothekaren und Anthropologen ist gefragt. Es gibt verschiedene Wege zu einer Tätigkeit bei der Kantonsarchäologie.

Berufsbild >
Kann man seinen Zivildienst oder ein Praktikum bei der Archäologischen Bodenforschung absolvieren?
Die Archäologische Bodenforschung ist seit 1999 als Einsatzbetrieb für den Zivilen Ersatzdienst anerkannt und kann bis zu vier Zivildienstleistende gleichzeitig beschäftigen. Eingesetzt werden Zivildienstleistende auf Ausgrabungen im ganzen Kantonsgebiet und im Archiv. Die Archäologische Bodenforschung hat neben dem «Tagesgeschäft» auch Ausbildungsaufgaben; sie übernimmt den praktischen Teil der Ausbildung angehender Archäologinnen und Archäologen. Studierende erlernen dabei das archäologische Handwerk und werden so mit der Praxis vertraut. Die Aussichten auf einen Praktikumsplatz, besonders im Rahmen einer Schnupperlehre, sind allerdings sehr begrenzt.

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